Quod licet bovi, non licet Jovi(!) von AH Jupiter

zu Kirche und/oder Zeitgeist
von AH Jux


Zu "Kirche und/oder Zeitgeist?" im Bordjournal
Josef G. Cascales hat in "Das Leben stellt Fragen" Verständnis für Juxens Ängste, teilt sie aber nicht: "Es ist verständlich, dass so viele sich ängstlich um die Identität der Kirche sorgen und vor jeder Anpassung oder Erneuerung zittern. Das Christentum ist Abenteuer. Wer mit seinen Talenten nichts wagen will, kein Abentuer eingehen will, wird die Talente verlieren."
Problematisch ist es, nicht zwischen dem Zeitgeist und den Zeichen der Zeit zu differenzieren. Das II. Vatikanische Konzil sagt in der Pastoralkonstitution Die Kirche in der Welt von heute: "Zur Erfüllung dieses ihres Auftrags obliegt der Kirche allzeit die Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten. So kann sie dann in einer jeweils einer Generation angemessenen Weise auf die bleibenden Fragen der Menschen nach dem Sinn des gegenwärtigen und des zukünftigen Lebens und nach dem Verhältnis beider zueinander Antwort geben. Es gilt also, die Welt, in der wir leben, ihre Erwartungen, Bestrebungen und ihren oft dramatischen Charakter zu erfassen und zu verstehen."
Was im Dekret über Dienst und Leben der Priester von diesen gefordert wird, gilt wohl auch für Bischöfe: "Die Priester sollen die Würde der Laien und die bestimmte Funktion, die den Laien für die Sendung der Kirche zukommt, wahrhaft anerkennen und fördern. Sie mögen auch mit Bedacht die gebührende Freiheit, die allen im bürgerlichen Bereich zusteht, achten. Sie sollen gern auf die Laien hören, ihre Wünsche brüderlich erwägen und ihre Erfahrung und Zuständigkeit in den verschiedenen Bereichen des menschlichen Wirkens anerkennen, damit sie gemeinsam mit ihnen die Zeichen der Zeit verstehen können."
Einem fundamentalistisch-evangelikalen trügerischen Halt erteilt auch Josef G. Cascales eine Absage: "Das Wort 'Aufbruch' hat es in sich. Alles, was lebt, lebt aus den Aufbrüchen. Das Leben des Geistes vor allem ist ein ständiger Aufbruch. Ständig sich neu aufmachen, um Schritt zu halten mit dem Leben, Schritt zu halten mit der Geschichte, Schritt zu halten mit den Menschen, Schritt zu halten mit dem frisch Neuen... Nur wo Aufbruch ist, ist Hoffnung! Nur wo Aufbruch ist, ist Zukunft! Eigentlich spricht die Bibel ständig von 'Aufbruch'. Der Mittelpunkt der Geschichte und sogar des religiösen Lebens des alten Volkes Israel war der Aufbruch von Ägypten nach Palästina, der Aufbruch von der Sklaverei zur Befreiung, der Aufbruch von der Verbannung in die Heimat, der Aufbruch zum eigentlichen Leben des Volkes Gottes. Das 'Ich aber sage euch' in den Antithesen der Bergpredigt im Matthäusevangelium 5 ist nichts anderes als der kräftige Aufruf zum Aufbruch in den neuen Bund der Liebe. Christlich leben heißt deshalb ständig im Aufbruch leben! Und Aufbruch brauchen wir dringend in fast allen Bereichen des christlichen Lebens: Aufbruch zu einer heutigen Theologie, Aufbruch zu einer heutigen Spiritualität, Aufbruch zu einer neuen christlichen Sprache für den heutigen Menschen, Aufbruch zu einer neuen Gestaltung des christlichen Lebens, Aufbruch aus den alten verkrusteten Strukturen und Institutionen unserer Kirche, Aufbruch zur geschwisterlichen Begegnung mit allen Christen (das müsste leicht gelingen, wenn der Aufbruch nicht auf neue Strukturen hin, sondern auf Christus hin geschieht), Aufbruch zu allen Menschen guten Willens, Aufbruch vor allem zu denen, die in Not sind..."
Johannes XXIII. hat in diesem Sinn das Konzil einberufen: "Aggiornamento!"
"Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi."
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zuletzt geändert: 02.03.2004 um 21.55 Uhr